Men United - NJF auf dem Analogforum 2026

Veröffentlicht am 22. März 2026 um 22:44

Der Eingang zur Messe.                                                                                Massenandrang am Stand von NJF

Vom NJF-Stand genossen wir einen herrlichen Blick ins Händlerdorf 

NJFs Amour fou: der Clearaudio Al di Meola.

Schlagkräftiges Ensemble: Thorens, Soul Note und TAD

Der Thales-Dreher hatte was...

Sehr unterschiedlich, aber beide gut: die Avantgarde ist eine temperamentvolle Hochton-Furie, die TAD fein und zivilisiert

The Joy of Tubes: MalValve 

Echt jetzt? Hard Core von STUdo. 

 

Das Analogforum 2026 in Moers, die alljährliche Bestandsaufnahme der Analogszene, war für mich ein besonderes. Dank Friedel Plöger von der Musikkammer in Willich durfte sich der NJF-Blog nämlich mit einem kleinen Stand am Eingang zum Händlerdorf präsentieren. Unterstützt wurde ich dabei vom Bergheimer Audio-Guru Gova O’Brien, wir berichteten.

 

Mit einer Auswahl rezensierter Platten und etwas Merchandise standen wir im Untergeschoss, direkt am Eingang zum Händlerdorf. Um 10.00 Uhr öffneten sich die Tore, keine Minute später war der Laden voll. 

 

Was sich schnell bestätigte: Jazz ist nicht jedermanns Sache, man hatte es ja schon geahnt. Viele Besucher drifteten an uns vorbei wie Treibgut auf dem Ozean, aber einige blieben dann doch stehen, aus Interesse oder Neugier, und man kam ins Gespräch - meistens über Grant Greens Idle Moments oder Kenny Burrells Midnight Blue, die offenbar in mehr Regalen stehen, als man vielleicht denkt. Irgendwie beruhigend zu wissen, dass man nicht der einzige ist, der Jazz auf Blue Note aus den 1950ern hört. Nur bei Exoten wie George Braith oder Andrew Hill wird die Luft dünn.

 

Das Schöne an solchen Gelegenheiten ist, dass man einige bekannte Gesichter wiedersieht und mit etwas Glück auch neue Leute kennenlernt. Zwischendurch konnte ich kurz mit Falk Visarius von den HiFi-IFAs reden, ich traf Jürgen, einen alten Freund aus Studienzeiten, meine Kaarster Audio-Buddies Ulf (Canor) und Marco (Børresen) schauten vorbei und Mark Arndt von Knopf Hifi in Düsseldorf beantwortete geduldig unsere Fragen zu einer Reihe von Produkten.

 

Gegen 14.00 Uhr flaute der Betrieb im Händlerdorf ab – Mittagspause? Konzerte im Obergeschoss? – und kurz nach 15.00 Uhr packten wir zusammen und schauten uns noch ein wenig um. Schließlich sind wir selbst auch Fans, da kannst du nicht einfach abhauen, ohne wenigstens ein paar Vorführungen gehört zu haben.

 

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Im Händlerdorf gleich nebenan war der Stand von Clearaudio, wo mein gegenwärtiger Lieblingsspieler ausgestellt war: der Al di Meola Celebrity Edition, lanciert auf der High End ‘24 und anscheinend trotz der limitierten Auflage (1000) noch immer nicht ausverkauft. Kann ich mir nur damit erklären, dass das Design sich vom Mainstream zu weit entfernt hat. Selbst der Clearaudio-Mann räumte in einem vertraulichen Nebensatz ein, dass es ein Gerät sei, an dessen Gestaltung man sich satt sehen könne. Leider trifft das auf mich überhaupt nicht zu, im Gegenteil. Bei unserer ersten Begegnung war ich wohlwollend neugierig, heute fast bereit, unser Haus neu zu belasten. Ein großartiger Dreher und echtes Statement gegen den allgegenwärtigen Hang zur Nivellierung.

 

Stichwort Nivellierung: fairerweise muss man sagen, dass das Forum ohnehin ein Schutzraum für Sonderlinge ist, mit einer Reihe von Ausstellern, die wirklich null Neigung zeigten, sich dem Diktat der Konvention zu beugen.

 

Bestes Beispiel: die Plattenspieler von STUdo. Wie lang muss ein Tonarm sein? Falsche Frage: Wie lang darf ein Tonarm sein, bevor er sich nicht mehr einen Tisch (oder Raum) mit dem dazugehörigen Laufwerk teilen kann? Wir hatten hier ein wahrhaft titanisches Ensemble aus massivem Holz, das wirkte wie aus einem parallelen Universum auf die Erde gebeamt: Das Produkt einer fernen Welt, in der Tischgrößen in Parsecs angegeben werden und sich niemand an Kleinigkeiten wie Innenarchitektur aufhängt. Dennoch war der Tonarm attraktiv. Seine gewaltige Größe verlieh ihm mesozoische Würde, die Regelung der Auflagekraft durch kreuzverseilte Fäden am Ende des Tonarms hatte eine archaische, simple Eleganz. Wir hörten ein Stück von Hendrix’ Burning Desire. Klang nicht wirklich schön, aber das sollte es ja auch nicht, sondern echt und authentisch roh, als wäre man noch einmal dabei.

 

Immer einen Besuch wert ist MalValve, vielleicht der extremste Raum der gesamten Messe, vor allem wegen des irren Energieumsatzes seiner Röhrengräber. Der arglose Nerd kriegt hier die volle Dröhnung Röhren-Power und gefühlt war es dort 5ºC wärmer als in den anderen Zimmern. Eigentlich schlägt mein Herz für den Umweltschutz, aber noch ein bisschen mehr für den audiophilen Auteur.

 

Deutlich geerdeter, aber musikalisch sehr stimmig: Thorens. Letzes Jahr zeigten sie ihr Reference-Laufwerk für kühle 220.000 €, dagegen wirkte der TD404 für lächerliche 4500 € geradezu bodenständig. In einer Kette mit einem Amp von Soul Note und Speakern von TAD ließ er jedoch kaum noch Wünsche offen.

 

Die Thales-Dreher, schicke Dinger mit einzigartigen Tonarmen, hier gepaart mit dem Magnifier Phono-Pre und Manger-Speakern, bestachen bei einer kurzen Session ebenfalls mit lupenreinem Klang. Es lief Blue Maqams von Anouar Brahem auf ECM, eine Aufnahme, die schon auf einer Blauzahn-Box ordentlich klingt, aber hier zu einem echten Erlebnis wurde.

 

Gute Musik (Wolfgang Muthspiel) und knackigen Sound bekam man auch bei Avantgarde, aber Vorsicht - die Höhenwiedergabe dieser Hörner ist alles andere als schüchtern. Wer damit leben kann, kriegt jedoch im Gegenzug phänomenale Lebendigkeit und einen konkurrenzlos schnellen Antritt.

 

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Und dann ist da noch das Publikum. Wie immer bei solchen Events gab es auch für die Beobachter des menschlichen Zoos reichlich zu entdecken, denn auf dem Analogforum findest du sie alle: Abenteuerlustige und Konservative, extrovertierte Verkaufsgenies und autistische Tüftler; Visionäre, Koryphäen und abgedrehte Exzentriker. Und mittendrin die, um die es eigentlich geht: die gemeinen Nerds, für die HiFi und Musik einfach schöne Hobbys sind und die sehen wollen, was gerade passiert.

 

Das ist immer wieder erstaunlich viel. Auch wenn der Markt für anspruchsvolle Unterhaltungselektronik seit Jahren schrumpft: einige Besessene geben die Suche nach dem klanglichen Fortschritt nicht auf und feilen stoisch an Produkten, die sich Millimeter um Millimeter einem Klangideal nähern, das nur sie selbst kennen (wenn überhaupt) und das vielleicht noch Lichtjahre entfernt ist.

 

Schön, dass sie es dennoch tun.

 

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