Lou Donaldson With The Three Sounds - LD+3

Veröffentlicht am 10. Februar 2026 um 09:22

Lou Donaldson – LD+3

Blue Note ST-84012, 02/1959, Engineer: Rudy van Gelder, Producer: Alfred Lion

Lou Donaldson – as; Gene Harris – p; Andrew Simpkins– b; Bill Dowdy – ds;

 

Side A:

1) Three Little Words

2) Smooth Groove

3) Just Friens

4) Blue Moon

 

Side B:

1) Jump Up

2) Don’t Take Your Love Away From Me

3) Confirmation

 

Die späten 1950er waren die Zeit der Piano-Trios. Prestige hatte das Red Garland Trio, Ahmad Jamal spielte für Argo, Bill Evans für Riverside. Und Blue Note? Bekam die Three Sounds.

 

Die Three Sounds hatten vor ihrem Umzug nach New York jahrelang als Hausband in den Jazzclubs von Washington tourende Stars begleitet und sich damit einen überregionalen Ruf als äußerst sattelfeste Rhythmusgruppe und starker Live Act erworben. Wie so oft bei guten Bands tut sich hier niemand ungebührlich hervor. Spielen konnten alle, aber keiner blendet mit musikalischer Akrobatik; man hört einander zu und agiert immer songdienlich. Musikalischer Kopf der Gruppe war Pianist Gene Harris. Er verpasste der Gruppe eine bluesgesättigte Signatur, die einen fingerschnippenden Swing besaß und geneigte Hörer nicht mit atonalen Experimenten von ihren Feierabendcocktails ablenken wollte. Harris spielte den Löwenanteil der Soli, aber auch Bassist Andrew Simpkins durfte regelmäßig ran und zeigte dabei, dass er sich auf Augenhöhe mit bekannteren Kollegen bewegte. Schlagzeuger Bill Dowdy verzichtete weitgehend auf solistische Einlagen, sorgte jedoch mit seinem variablen Spiel für einen lebendigen Puls. Die Three Sounds sollten zwischen 1958 und ihrem Labelwechsel 1962 zehnmal für Blue Note unter eigenem Namen ins Studio gehen, dazu kamen zwei Sessions als Begleitband: für Lou Donaldson auf LD+3 und für Stanley Turrentine auf Blue Hour. 

 

Gemessen an den Zahlen, die bei Blue Note an der Tagesordnung waren, verkauften sich die Platten der Three Sounds gut. Wenn man eine hört, versteht man sofort, warum Lion so regelmäßig mit ihnen ins Studio ging. Kaum eine Gruppe verkörperte seine Maxime „It must schwing!“ wie dieses Trio. Ihre Alben, zumindest die sieben in meiner Sammlung, folgen stets derselben Dramaturgie mit einer Mischung aus leicht verdaulichen Standards und ein paar blueslastigen Originals von Harris. Das Tempo der Stücke vermeidet Extreme, wir bekommen so gut wie immer einen locker-federnden Puls, der manchmal dezent beschleunigt, mal gedämpft wird. Ihre Musik will im besten Sinne unterhalten. Jazz-Novizen werden nicht verschreckt, doch sie bietet genug Substanz und Biss, um auch ernsthaftere Hörer nicht zu unterfordern – und passte damit perfekt zum ähnlich tickenden Donaldson.

 

Was das Material auf dieser Platte angeht: Ich bin fast geneigt zu sagen, dass die Songauswahl eigentlich keine Rolle spielt. Egal, welche Melodie sie als Startpunkt wählen, bei Donaldson und Harris bekommt ohnehin alles einen blauen Anstrich. Während der Soli unterscheiden sich die Stücke in erster Linie durch das Tempo, vielleicht noch durch die Tonarten, aber auch darauf würde ich kaum wetten. Das Gute daran: Wenn man ein Stück von Donaldson und Harris mag, dann mag man alle.

 

Und es ist beinahe unmöglich, Donaldson und die Three Sounds nicht zu mögen. Donaldsons Alben aus dieser Ära sind, genau wie die der Three Sounds, allesamt ausgelassene Ausflüge in ein lichtdurchflutetes Jazz-Utopia, in dem die Menschen keine Sorgen haben. So liegt auch bei LD+3 sein Appeal darin, dass kein Stück aus dieser einladenden Stimmung ausschert. Selbst Titeln wie Charlie Parkers Bebop-Klassiker Confirmation wird durch die entspannte Delivery von Donaldson und Harris der Stachel des Neuen, Aufmüpfigen gezogen. Bei Parker und Gillespie in den 1940ern klingt das Stück radikal, hier unbeschwert. Aber bitte nicht missverstehen: Ihm fehlt zwar die Hitze des Originals, aber es ist deswegen nicht beliebig – es groovt nur anders, mit einer freundlichen Lockerheit, die es dem Hörer leicht macht.

 

Das gilt natürlich auch für die Standards Just Friends, Blue Moon und Don’t Take Your Love Away From Me und erst recht für die Donaldson-Kompositionen Smooth Groove und Jump Up. Formal sind das Blues, klar bei Donaldson, über die selbst Jack Maher in den Liner Notes schreibt, sie basierten auf „denkbar einfachen Riffs“. Kann man so sehen, allerdings muss nicht alles immer kompliziert sein und Donaldsons Art von Schlichtheit dürfte beim Publikum gepunktet haben.

 

Gibt es etwas zu meckern? Nicht wirklich, aber persönlich ist mir der quasi durchlaufende Midtempo-Flow etwas zu smooth. Er entgratet die Platte soweit, dass sie trotz ihrer zahlreichen bluesigen Momente phasenweise ein wenig glatt klingt. Von Eintönigkeit sind wir zwar noch ein Stück weit entfernt, aber den Abwechslungsreichtum eines Albums wie Blues Walk finde ich hier nicht.

 

Fazit: LD+3 ist so etwas wie ein Gipfeltreffen zweier führender Jazz-Populisten. Die clubgestählten Three Sounds mit Gene Harris spielten einen bluesigen Midtempo-Jazz im Geiste der Donaldson-Alben aus den späten 1950ern. Dass die Zusammenarbeit des Trios mit Donaldson funktionierte, ist keine Überraschung. Aber vielleicht hätte etwas mehr künstlerische Reibung der Platte nicht geschadet – es geht hier eindeutig in Richtung Cocktail-Jazz.

 

Musik: ***1/2

 

Sound: Meine Pressung von Classic Records bietet einen kraftvollen Mono-Sound mit leicht scharfen Höhen. Daneben gibt es diverse japanische Ausgaben und von Music Matters eine vermutlich definitive (ich habe sie nicht gehört) Stereoversion mit 2 x 45 RPM Vinyl.

 

Verfügbarkeit: derzeit nur gebraucht ab ca. 40€ bei den einschlägigen Anbietern.

 

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