Art Blakey And The Jazz Messengers – Moanin’
Blue Note ST-84003, 10/1958, Engineer: Rudy van Gelder, Producer: Alfred Lion
Lee Morgan – tp; Benny Golson – ts; Bobby Timmons – p; Jymie Merritt – b; Art Blakey – ds;
Side A:
1) Moanin’
2) Are You Real
3) Along Came Betty
Side B:
1) Drum Thunder (Miniature) Suite
2) Blues March
3) Come Rain Or Come Shine
Zwei Jahre lang war Art Blakey nicht mehr auf Blue Note zu hören gewesen, doch 1958 kehrte er mit den runderneuerten Jazz Messengers zum Label zurück und nahm am 30. Oktober ein Album auf, das zu einer Ikone des Hard Bops wurde: Moanin’
Nach dem Abschied von Horace Silver im Jahr 1956 hatte Blakey die Band übernommen und zusammengehalten, aber lange fehlte den Jazz Messengers ein musikalischer Direktor und Songschreiber von Silvers Kaliber. Doch im Herbst '58 hatte Blakey jemanden gefunden: den Tenorsaxophonisten Benny Golson, der sich nicht nur um die Arrangements kümmerte, sondern auch einige der bekanntesten Kompositionen der Band beisteuern sollte. Komplettiert wurde die Gruppe vom 20-jährigen Lee Morgan an der Trompete, Bobby Timmons am Piano, tief verwurzelt in Gospel und Blues, und Bassist Jymie Merritt. Fun Fact - außer Blakey kamen alle, auch Golson, aus Philadelphia. Schien Ende der 50er eine Talentschmiede für Hardbopper zu sein.
Die Platte beginnt mit Bobby Timmons’ furiosem Titelstück, das vermutlich jeder, der sich für Musik interessiert, irgendwann schon einmal gehört hat: Moanin’ ist ein Burner mit einem starken Gospel-Vibe und einer der einprägsamsten Melodien des Jazz. Prediger Timmons lädt die beiden Bläser zum Call-And-Response ein. Auf das Thema folgen kraftvolle Soli von Morgan, Golson und Timmons, sogar Merritt bekommt gegen Ende einen Chorus. Auch Are You Real und Along Came Betty sind melodisch so stark, dass man sie sofort im Ohr behält. Während Are You Real ein überschwenglicher Swinger ist, zeigt sich Along Came Betty zurückhaltender und sorgt für eine kleine Atempause. Beide gehören, wie Moanin’ und Blues March auf der zweiten Seite, längst zum Kanon des Jazz.
Die Drum Thunder Suite ist ein Vehikel für Blakey, vermeidet aber Langeweile durch ihre dreiteilige Gliederung, die für melodische und rhythmische Abwechslung sorgt und genügend Input von der Band bietet, sodass der Hörer nicht von einer Überdosis Schlagzeug überwältigt wird. Natürlich kriegt man reichlich Blakey (mit Mallets), aber weil sich die Band immer wieder einschaltet, bleibt das Ganze im Gleichgewicht. Blues March ist ein weiterer Klassiker von Golson. Es war zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht neu – Golson selber und Blue Mitchell hatten es bereits eingespielt – aber die Version auf Moanin’ gilt als definitiv. Ich will mich da nicht festlegen, weil mir etwa Blue Mitchells Version auf Big Six (Riverside RLP-12-273) mit Philly Joe Jones auch gut gefällt, allerdings muss ich zugeben, dass Blakeys Schlagzeugspiel im direkten Vergleich schlüssiger wirkt. Mit Come Rain Or Come Shine schließlich klingt eine grandiose Session in entspanntem Midtempo aus.
Ist Moanin’ wirklich, wie oft behauptet, ein Meilenstein des Hard Bop? Ja, ist es. Die Band spielt entfesselt, angetrieben von einem Schlagzeuger unter Hochspannung. Blakeys Drumming ist wie ein Vulkan, der im Hintergrund brodelt, aber den Eindruck vermittelt, jederzeit ausbrechen zu können, sobald ein Mitglied seiner Crew auf Autopilot schaltet. Morgan und Timmons solieren mit Verve und gospeligem Feuer. Golsons Tonkaskaden wirken gelegentlich etwas übermotiviert, doch er hat auch starke Momente und schenkt uns Hard-Bop-Hymnen für die Ewigkeit.
Essenziell für alle, die Jazz mögen, ein guter Einstieg für alle anderen.
Musik: *****
Sound: gut, aber gelegentlich neigt die Platte zu leichter Übersteuerung. Unklar, ob das an der Aufnahme oder Pressung liegt. Ich habe mir die hübsche blaue Ausgabe zum 85. Labeljubiläum geholt (vereinzelt noch zu haben), aber klanglich versägt meine fast 50 Jahre alte japanische Pressung von King (untere Bildreihe) zumindest die blaue Neuauflage deutlich. Gourmets werden also unter Umständen von klassicher Fernost-Ware besser bedient.
Verfügbarkeit: Im Herbst 2025 gut, Teil der Blue Note Classic Vinyl Series.
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