Süße Versuchung - NJF auf Schluderbachers HiFi-Tagen 2026

Veröffentlicht am 26. Oktober 2026 um 21:44

Links: Best Sound of the Show (Konsens) - Kette aus Norma-Elektronik und Sonus faber Olympica Nova V G3; Rechts: Normas IPA 140.

Best Sound of the Show (NJF) - Elektronik von SPL mit Mangers P2: immersiver klingt keiner. 

Links oben: Canton und Technics. Unten: Gold Notes Pianosa ist eine Augenweide, wie auch die kleine AE EVO II (rechts)

Links: Die Epos EN-28 an Elektronik von Canor. Am Dreher von Dual lief Ortofons MC X50. Rechts: DALIs Epikore 9 mit NAD Vor-/End Kombi.

 

Endlich war es wieder soweit: Letztes Wochenende, vom 23. bis 25. Oktober, veranstaltete HiFi-Schluderbacher in Willich wieder seine alljährliche Hausmesse. Nachdem die High End Society ihre Wertschätzung der deutschen Audio-Junkies* durch den Umzug von München nach Wien unmissverständlich klar gemacht hat, muss man sich seinen Fix eben auf regionalen Veranstaltungen holen. Mein Dank geht an alle Händler, die sich die Mühe machen und so etwas aufziehen. Das ist nämlich, soviel wird einem sofort klar, wenn man sieht, was im Laden los ist, mit erheblicher Mehrarbeit für alle Angestellten verbunden.

 

Für die Leute, die noch nie bei Schluderbacher waren: Der Laden gehört zu den führenden HiFi-Unternehmen in Deutschland und hat eine Reihe von Hörstudios auf zwei Ebenen: die meisten im Erdgeschoss; im Obergeschoss gibt’s drei weitere Studios für gehobene Ansprüche, dazu eine Ecke für Sim-Racing/AV und Headphones.

 

Ich war dieses Mal am Freitag da, weil es einfach terminlich am besten passte und ich außerdem Gesellschaft hatte – mein Bergheimer Audio-Buddy Vincent Gova O’Brien war nämlich auch dabei. Ein weiterer Vorteil: es war nicht ganz so voll wie letztes Jahr (am Messe-Sonntag), man konnte sich besser auf die Vorführungen konzentrieren und auch länger bleiben.

 

Die einzelnen Studios wurden den Vertriebspartnern von Schluderbacher zur Verfügung gestellt und man bekam entsprechend zusammengestellte Anlagen mit Geräten aus dem Portfolio der Vertriebe, was aber – soviel vorweg – oft richtig gut funktionierte.

 

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Wie letztes Jahr waren wir zuerst oben und auch dieses Mal gab es bei der ersten Vorführung gleich ein Messe-Highlight. Das Portfolio von Audio Components verdient wahrhaft das Prädikat exklusiv, man findet dort Marken wie McIntosh, Audio Research, EMM Labs/Meitner, Magico, PassLabs, Shunyata etc. Aber keine Sorge, mit Sonus faber und Norma haben sie auch Produkte aus einem Land, das mal eine WM gewonnen hat.

 

Im Studio stand ein Paar brandneue Sonus faber Olympica Nova V G3 mit einem Mitteltöner, den man so auch nicht überall sieht: er ist weiß und heißt Camelia Midrange, weil er an die Blüte von Camellia japonica erinnert und für einen wahren Quantensprung in der Wiedergabetreue sorgen soll: die Homepage des Vertriebs (ich zitiere direkt) attestiert ihm eine „besonders natürliche und detailreiche Wiedergabe des Mitteltonbereichs. Stimmen gewinnen an Ausdruckskraft, Instrumente entfalten ihre volle Klangfarbe und jede Aufnahme überzeugt durch eine beeindruckende Transparenz und emotionale Tiefe“. Also Transparenz und emotionale Tiefe finde ich ja voll gut, aber wer ohne sie leben kann, spart satte 7 Kilo-Ocken beim Kauf der (glaube ich) nach wie vor erhältlichen direkten Vorgänger. Sei’s drum, ob der Paarpreis jetzt 20.000 oder 27.000 € beträgt, ist für Plebejer wie den berühmten NJF sowieso egal.

 

Angetrieben wurden die Speaker von einer Vor-/End-Kombi von Norma, ebenfalls aus Italien. Jedesmal, wenn ich italienisches HiFi sehe, frage ich mich, wieso keine andere Nation (vielleicht mit Ausnahme Dänemarks) Design so locker hinkriegt. Auf eine Vor-/End Kombi in meinem Set-Up habe ich ja keine Lust, aber den Norma IP140 Vollverstärker würde ich mir sofort ins Rack stellen – eine elegante Skulptur aus gebürstetem Aluminium mit genau der richtigen Dosis verchromter Highlights auf der Front.

 

Was mich aber noch mehr überzeugte, war ein enorm selbstverständlicher, tatsächlich völlig natürlicher Klang – natürlich in dem Sinne, das er eben nichts Technisches an sich hatte. Dieser Eindruck charakterisierte die gesamte Dauer der Vorführung, die ein breites Spektrum musikalischer Stile abdeckte. Wer meint, eine explizit natürlich abgestimmte Box könne vielleicht keinen harten Stoff – no worries, ein elektronischer Track, den ich nicht kannte, wurde einem mit leichter Geste, aber kräftigem Punch um die Ohren gehauen. Für mich war das sogar der beste Titel der Vorführung, weil diese potenziell anstrengende Musik selbst bei gehobener Lautstärke zu keiner Zeit genervt hat.

 

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Im Raum nebenan erlebte ich eine Demo, die für mich klanglich vielleicht noch überzeugender, aber auf ihre Art auch mehr hard core war: Ich hatte tatsächlich noch nie vorher Lautsprecher von Manger gehört, eine echte high-fidele Bildungslücke. Im Portfolio Mangers finden sich vornehmlich aktive Lautsprecherkonzepte, aber hier spielte an Elektronik von SPL die passive P2, sie gehört dir für gut 16.000 €. Um die Sache für SPL interessanter zu machen, gab es neben der Demonstration der nativen P2 noch eine weitere. Wer nicht weiß, wie sich eine aktive externe Frequenzweiche auf den Klang eines Lautsprechers auswirkt, konnte es hier erfahren: Das Set-Up bot die Möglichkeit, im fliegenden Wechsel zwischen der eingebauten Frequenzweiche der P2 und der externen Lösung von SPL (Crossover Mk.2) zu wechseln.

 

Das Alleinstellungsmerkmal von Manger-Lautsprechern ist der direkteste, unmittelbarste Klang, den ich je gehört habe. Ich fühlte mich mitten in der Musik, ständig blitzten irgendwo Aufnahmedetails auf. Beeindruckend war das immer, aber besonders auf einem elektronischen Album von Trentemøller, das auf mich einen regelrechten audiophilen Sog entwickelte. Meinem Kumpel Vincent dagegen war der Klang eine Idee zu streng, besonders wenn die aktive Frequenzweiche von SPL eingeschleift wurde. Ich dagegen fand sie -die aktive Weiche- nicht prinzipiell schlecht, aber wirklich gebraucht habe ich sie auch nicht. Jedesmal, wenn sie zugeschaltet wurde, gab es halt noch ein bisschen mehr von allem. Mehr Durchzeichnung, mehr Druck, mehr dies, mehr das. Das Problem: es hatte vorher nicht wirklich an irgendetwas gemangelt, die gut 3000 € für das Crossover Mk.2 würde ich wahrscheinlich woanders investieren.

 

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Im Raum von Canton und Technics ging es, jedenfalls als wir da waren, deutlich bodenständiger zur Sache. Am Technics SU-GX70, einem Vollverstärker/Streamer für 1500€ hing ein Paar der neuen Canton Vento 91 für knapp 5000 €. Canton hat den berüchtigten Taunus-Sound schon lange abgelegt und die Gestaltung ihrer Lautsprecher ebenfalls modernisiert, heute gibt es üppige Kurven statt klarer Kanten. Ehrlich gesagt klang es auch nicht schlecht, aber wir hörten die Kombi unmittelbar nach den exquisiten Speakern von Sonus faber und Manger, da hatten es die bescheideneren Komponenten naturgemäß schwer. Für sich alleine betrachtet überzeugten die Vento 91 aber durchaus, allerdings bewegen sie sich in einem preislichen Umfeld, in dem es jede Menge Konkurrenz durch hochgezüchtete Monitore gibt – was man da bevorzugt, dürfte maßgeblich vom eigenen Raum abhängen.

 

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Einen dieser Konkurrenten durften wir gleich im Anschluss hören. Im Erdgeschoss besuchten wir zuerst den Raum von Audiotrade mit einer Kette aus Gold Note Pianosa und einer neue Phonostufe namens PH-5.2, dem kleinen Michi Vollverstärker und Gold Notes A3 EVO II Lautsprechern.

Wie schon bei Norma (s.o.) sind die Geräte und Lautsprecher von Gold Note ausnehmend schön gestaltet. Die schnuckeligen A3 EVO II tragen Seitenwangen aus Walnuss, entweder matt oder, wie hier, hochglanzpoliert und waren die ersten Kompaktlautsprecher, die wir auf den HiFi-Tagen hörten. Zunächst mal musstest du dich daran gewöhnen, dass es ab sofort keinen Vollbereichssound mehr gab, unter 70 Hz kam nicht viel. Aber nach kürzester Zeit wurde klar, dass diese Lautsprecher im Bereich darüber sehr viel richtig machten und dir, ähnlich wie die Sonus faber für den fünffachen Preis, ein höchst entspanntes (keine Härten), aber involvierendes, natürliches und niemals lahmes Hörerlebnis bescherten. Der Klang wirkte immer anspringend, Instrumente besaßen realistische Klangfarben. Da spielte es auch keine Rolle, ob Dire Straits’ Private Investigations oder Kenny Burrells Chitlins Con Carne lief. Die A3 EVO II diskrimierten nicht, jede Art von Musik machte Spaß. Wirklich große Klasse und eine echte Empfehlung für kleinere bis mittlere Räume.

 

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IAD führte eine Kette aus Wharfedales kompakter Aston und dem schicken Vollverstärker Quad Platina vor. Wie so oft bei britischen Lautsprechern war eine realistische Stimmwiedergabe die Stärke der Astons. Aber, das Auge hört ja immer mit, ich wurde mit der Retro-Optik des Lautsprechers nicht so recht warm, außerdem klang er auch wesentlich kleinformatiger als die quasi gleich große A3 EVO II von Gold Note. Wir durften uns Musik aussuchen und ich wollte hören, wie die Astons mit Billy Cobhams Quadrant vom Album Spectrum umgehen. Um es kurz zu machen – nicht die richtige Musik für die Lautsprecher. Die enorme Power von Cobhams Bass Drum wurde einfach durch einen zu leichtgewichtigen Klang unterschlagen. Aber nicht jeder hört Fusion mit einer derart harten Kante und vielleicht ist die Aston genau der richtige Lautsprecher für Leute, die akustische Musik mögen.

 

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Auch im Untergeschoss gab es Räume mit Standlautsprechern. Bei IDC Klaassen spielten Epos 28N an Elektronik von Canor, Quelle war ein Dual Plattenspieler mit Ortofons neuem MC X50. Es lief zunächst eine jazzige Big-Band-Aufnahme, die ich als sorgfältig produziert, aber etwas blutarm empfand. Anschließend kam Musik per Playlist vom Streamer. Vielleicht lag es daran, dass wir inzwischen knapp drei Stunden gehört hatten und langsam unsere Kapazitätsgrenzen erreichten, aber so richtig sprang der Funke nicht über...

 

… wie auch im Raum von DALI, wo mit einem Pärchen Epikore 9 für satte 30.000 € sogar die teuersten Lautsprecher der Messe liefen. Ihre Signale bezogen sie über eine Kette von NAD, wie üblich per Streamer. Es gibt wirklich nicht den geringsten Anlass, an den technischen Fähigkeiten dieser Kombination im Wert eines Mittelklassewagens zu zweifeln, dennoch fand ich dieses dänisch-kanadische Team bei jedem Titel, es lief nicht nur High-End-Mucke, sondern auch moderner Stoff wie Billie Eilishs No Time to Die, eher nüchtern-kompetent als mitreißend – im Gegensatz zu ihren italienischen Kollegen von Sonus faber und Norma eine Etage höher.

 

Aber wie gesagt: unsere Akkus näherten sich der Tiefenentladung, unsere Eindrücke sind mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Den Raum von Magnepan schafften wir dann auch nicht mehr. Stattdessen gingen wir, um unseren Kompass wieder einzunorden, für einen letzten Song zurück zu Gold Note – und waren erneut begeistert vom zugänglichen, auf angenehme Weise unkomplizierten Sound der A3 EVO II, in dem man sich nach einem stressigen Tag einfach verlieren konnte. Und das – die Fähigkeit, einen nach einem langen Tag abzuholen und die Welt für ein paar Minuten draußen zu lassen – gehört doch eigentlich ins Pflichtenheft einer Anlage, oder?

 

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Fazit: Gut, dass mir das Gehalt eines Angestellten im Öffentlichen Dienst keinen Raum für Impulskäufe gibt, denn einige Geräte hätte ich sofort mit nach Hause nehmen können. Da waren einerseits die Speaker von Sonus faber mit ihrem unfassbar grazilen, aber dennoch substantiellen, informativen Klang und die ähnlich ausgerichtete Elektronik von Norma Audio, deren Styling mich genauso anspricht wie das von Copland. Die Lautsprecher von Manger dagegen klingen wie nichts anderes auf der Welt. Wer ihrem immersiven Sound so richtig verfällt, kann vermutlich nichts anderes mehr akzeptieren.

 

Aber Sonus faber und Manger wenden sich konzeptionell eher an CEOs. Zum Glück gab’s auch bezahlbare Highlights – die Gold Note A3 EVO II für knappe 5k€ dürften in den meisten Räumen vollkommen ausreichen, spielten ähnlich informativ und langzeittauglich wie die Olympicas, und sehen ebenso schön aus. Genau wie Gold Notes neue Phonostufe namens PH-5.2 für 950 €, die eine echte Überlegung wert ist.

 

Für mich selbst bleibt die Frage, wieso ich die Lautsprecher von Sonus faber, Manger und Gold Note sofort hätte mitnehmen können, nicht aber die von DALI und Epos. Ich wage hier einfach mal die Behauptung, dass alle sorgfältig konstruiert sind, aber eben nicht nach den gleichen Gesichtspunkten.

 

Wenn ich an dieser Stelle spekulieren darf – einen konkreten Anhaltspunkt habe ich nämlich nicht –, scheint mir bei den Epikores ebenso wie bei den Epos EN-28 großer Wert auf die Bedämpfung der Gehäuse gelegt worden zu sein. Jedenfalls empfand ich den Klang dieser Lautsprecher als vor allem kontrolliert und deshalb auch etwas nüchtern, mit einer Tendenz in Richtung Studiomonitor. Dagegen klangen die Lautsprecher von Gold Note, Manger und besonders Sonus faber, als hätte man sie weniger rigoros stillgelegt: Sie wirkten lebendig und involvierend – und holten mich zumindest hier und heute eindeutig mehr ab.**

 

 

* dieselben Leute, die zur High End jahrzehntelang erst nach Frankfurt und dann brav nach München gepilgert sind und so überhaupt ermöglicht haben, dass die Messe zur weltweit führenden Veranstaltung ihrer Art aufsteigen konnte. Einen Tag nach den unerwarteten Wahlschlappen der Autokraten Aleksandar Vučić in Serbien und Flávio Bolsonaro in Brasilien steht einem nicht der Sinn nach Rache, aber zumindest eine chronische Durchfeuchtung des Wuppertaler Hauptquartiers darf man sich wünschen.

 

 

** Was einmal mehr zeigt, dass nichts über den persönlichen Test eines Lautsprechers bei einem engagierten Händler geht. Liest du lediglich die einschlägigen Gazetten, bekommst du vermutlich den Eindruck, dass die Sonus faber Olympica Nova 5 und DALIs Epikore 9 klanglich in einer Liga spielen, weil sie ungefähr gleich viel kosten. Da die Epikore 9 sogar noch etwas teurer ist, bekommt sie vielleicht den einen oder anderen Klangpunkt mehr. Beide Lautsprecher mögen dieselbe Zielgruppe anvisieren, das Hörerlebnis aber ist völlig unterschiedlich.

 

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