Die LED auf der Front ist nicht meine Vorstellung von Diskretion; die Wahlmöglichkeiten für den Verstärkungsfaktor entschädigen allerdings für manche Sünde.
Der Fosi X5 in seiner Verpackung (Li), bizarre Beigabe eines Tütchens IMi); Fosi mit potent aussehendem Netzteil (Re).
The Beast from the East – Fosi Audio X5 Phono Pre
Unser Nachbar ist freiberuflicher Energieberater. Vor kurzem sah ich ihn mit einem neuen Auto – er war umgestiegen auf E-Mobilität. Gekauft hatte er sich jedoch keinen VW, Skoda, BMW oder Tesla, sondern einen BYD. Ausschlaggebend dafür war nicht der Preis, vergleichsweise günstig, aber kein Dumping, sondern schlicht und ergreifend eine überzeugende Vorstellung auf der Straße – bei Reichweite, Servicefreundlichkeit und Ausstattung, also genau das, worauf sich Deutschland jahrzehntelang etwas eingebildet hat: Vorsprung durch Technik.
Lange hat man in der Audiobranche Produkte aus dem Reich der Mitte leichtfertig abgetan. Röhrenverstärker von Firmen wie Yaqin wurden als China-Kracher diffamiert, andere Geräte gar als China-Schrott. Dabei wurde geflissentlich übersehen, dass die Audio-Industrie in China, inzwischen über dreißig Jahre alt, längst aus ihren anfänglichen Fehlern gelernt hat und absolut in der Lage ist, in jedem Preissegment mit ausländischer Konkurrenz mitzureden, auch technologisch – vielleicht sogar gerade dort.
Seit einigen Jahren geistern HiFi-Komponenten im Taschenbuchformat durch die einschlägigen Gazetten. Die stammen meist von Fosi Audio und haben sich mittlerweile einen Ruf erworben. Auch bei NJF waren die schnuckeligen, soliden Kistchen schon zu Besuch und sorgten für Überraschungen. Jetzt brachte mein Bergheimer Audio-Buddy Vincent mal wieder was Neues mit. Er hört seit kurzem Platte, über einen Thorens TD320 MkII aus den 1990ern mit einem MM-System aus der VM95er-Reihe von Audio-Technica. Als Preamp diente zunächst der Phono-Eingang seines WiiM Amps. Relativ schnell wurde allerdings klar, dass der klanglich noch nicht der Weisheit letzter Schluss war. Vincent orderte deshalb, zweifelhaftes Vertriebsmodell hin oder her, einen Fosi Audio X5 Phono Pre. Der wurde gestern geliefert, Vincent hatte vor seinem Besuch noch nicht einmal Zeit für einen Funktionstest – also kam vor der ersten Hörsession gleich noch das Unboxing, nimmt man ja immer gerne mit.
Vincents V3 Monos hatten uns beide vor einigen Monaten schon mit ihrer Power und gutem Klang überzeugt, und der X5 zeigt sich sofort als Welpe aus dem Fosi-Zwinger. Er teilt mit seinen älteren Geschwistern nicht nur das Gehäuse, einen anthrazitgrauen soliden Quader aus einer Aluminiumlegierung, sondern auch ein feature, das Vincent bei den V3 bereits genutzt hat: die Möglichkeit, einen klangentscheidenden Op-amp je nach Geschmack zu tauschen. Der Austausch der nativen NE5532s in den V3s gegen teure, aber auch klar bessere Bursons hatte für einen echten Klangsprung gesorgt. Der X5 spielte hier jedoch in seiner Basis-Version.
Der Thrill beim Unboxing hielt sich in Grenzen. Im Karton lagen der X5 und ein recht dickes Netzteil. Ein Tütchen, das wohl als schützende Haut für den Amp gedacht war, lag obenauf; eine Bedienungsanleitung gab es auch. Bei Fosi sieht man seine Zielgruppe wohl U30, jedenfalls konnte ich die BDA selbst mit Brille kaum lesen. Aber Schwamm drüber, schließlich haben wir es mit einem Phono-Pre zu tun, nicht mit einem Teilchenbeschleuniger.
Von vorne ist der X5 gewohnt schmucklos, allerdings setzt der Netzschalter in einem schönen Metallic-Orange unten rechts auf der Front einen willkommenen Akzent. Ist der Amp eingeschaltet, sorgt eine recht grelle orangene LED unten links für eine gewisse optische Symmetrie.
Ähnlich unaufgeregt gibt sich der Amp von hinten: Phono In, Phono Out, Erdungsklemme, Wahlschalter MM/MC, Buchse für 16V DC-Versorgung und, hosianna!, ein Knebelschalter, mit dem man komfortabel die Verstärkung zwischen vier Werten umschalten kann: 38dB, 48dB (beide empfohlen für MM); 56dB und 66dB (MC). Da ich mit dem N1 von Clearaudio ein relativ leises MM fahre, wusste ich dieses feature sehr zu schätzen, dazu gleich mehr.
Wie schon bei meinen letzten Tests agierte mein Rega RP3 mit dem N1 als Quelle, die Verstärkung besorgte mein éloquence 150i von Perreaux, der über WSS Goldline LS2 Speakerkabel Lu Kangs Spoey 200 antrieb. AVMs PH 30.3 Phono-Amp diente uns als Referenz für den X5.
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Vincent ist musikalisch ein Kind der 70er und hatte für den Soundcheck frickelige Fusion mitgebracht. Wir starteten mit Prince of the Sea von Lenny Whites Album Venusian Summer aus dem Jahr 1975. Man muss übrigens allen Platten in diesem Hörtest eine gewisse Wärme im Klang attestieren, die dem langzeitlichen Hörgenuss extrem dienlich ist. Wärme ist hier jedoch keineswegs gleichzusetzen mit gnädigem Verschweigen von Hochtondetails. Alle Aufnahmen wirken schon transparent, du würdest diese Transparenz aber nie mit dem Attribut gläsern schmücken, das einen technischen Beigeschmack suggeriert. Den haben diese Platten nämlich nicht, vielmehr klingen sie ungebremst dynamisch und körperhaft. Sie tragen metaphorisch mehr Fleisch auf den Knochen als auf hohe Transparenz gezüchtete Aufnahmen, wie beispielsweise einige Platten von Porcupine Tree.
Mit dem Gain-Schalter des X5 auf 38dB waren die Signale aus P30 und X5 annähernd gleich laut, sodass wir den direkten Shootout in dieser Konstellation fuhren. Die erste Überraschung, und eigentlich gleich ein Punktsieg für den Fosi, war das vergleichbare Klangniveau beider Amps. Der P30 kostete nämlich ursprünglich ziemlich optimistische 699 Ocken, die dann später auf eher angebrachte 349€ reduziert wurden, zu denen ich mir den Amp auch zugelegt habe, nachdem ein Kanal meines geliebten Lehmann Black Cube den Löffel gereicht hatte.
Der Fosi konnte also klanglich dem AVM Phono-Pre Paroli bieten. Natürlich klangen sie nicht gleich, aber weder Vincent noch ich konnten ehrlich einen von beiden als besser identifizieren. Vorab: alle folgenden Klangbeschreibungen beschreiben keine weltbewegenden Differenzen, eher Nuancen, aber eben vernehmliche Nuancen. Was am Ende besser oder schlechter ist, dürfte sich von Person zu Person unterscheiden. Der AVM klang wärmer und satter, auch im Bass, was seinem Vortrag eine den Hörer einladende Freundlichkeit verlieh, eine ermüdungsfreie, lockere Langzeittauglichkeit. Der Fosi klang da etwas stringenter, konterte jedoch mit einer formidablen Durchzeichnung. Einzelne Schallereignisse ließen sich mühelos verfolgen und erschienen deutlicher vom Hintergrund isoliert als über den eher integrierenden AVM. Dabei klang auch der Fosi zu keiner Zeit ermüdend – seine Transparenz war also echt, nicht erkauft mit trügerischen Glanzlichtern in den Höhen.
Mirage von Jean-Luc Pontys Album Enigmatic Ocean haute musikalisch in eine ähnliche Kerbe wie Prince of the Sea, ist jedoch insgesamt entspannter. Dennoch ähnelten sich die Eindrücke so sehr, dass ich die Beschreibungen von oben glatt wiederholen könnte. Ich konnte nur nach wie vor nicht sagen, welche Präsentation ich besser fand – den körperhaft-lüsternen AVM oder den asketisch-schlanken, definierten Fosi.
Da wir uns in den 70ern bewegten und beide fanden, dass man damals in den Aufnahmestudios ziemlich viel richtig gemacht hatte, wechselten wir das Genre, nicht aber das Jahrzehnt. Ich legte Golden Earrings Contraband auf und fand, dass sich der Fosi mit seiner lockeren Treue zum Detail bei dem Eifersuchtsdrama Sue Leen vielleicht erstmals einen leichten Vorteil erspielte. Bassist Rinus Gerritsen und Drummer Cesar Zuiderwijk waren eine tighte Rhythmusgruppe und ihre sich kontinuierlich steigernde Intensität am Ende des Stückes schien mir der Fosi mit seiner gut sortierten Darstellung etwas besser herauszuarbeiten als der latent gemütliche AVM. Wie gesagt: wir reden hier nicht von Unterschieden wie Tag und Nacht, aber das allein ist schon eine Anerkennung der Leistung von Fosis Entwicklern – man muss nämlich ziemlich viel Geld in die Hand nehmen, um die X5 klanglich ernsthaft zu übertreffen.
Es gibt jedoch, zum Trost für Fans von AVM, zwei Punkte, in denen die X5 gegen die PH 30.3 keinen Stich macht: die tendenziell grenzenlose Flexiblität bei der Eingangsempfindlichkeit der MC-Stufe (mittels steckbarer Widerstände, die zumindest theoretisch frei gewählt werden können; praktisch wird das kaum jemand tun) und deutlich bessere Haptik und Optik. Punkte, die für mich oft kaufentscheidend sind, und vermutlich für viele andere auch.
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Später, schon lange im Post-Listening mode, experimentierte ich mit dem Verstärkungsfaktor des X5 und leck mich fett – das 48-dB-Setting schien der Dynamik tatsächlich einen regelrechten Koffein-Boost zu verleihen. Allerdings war der Lautstärkeunterschied zwischen 38 und 48 dB so signifikant, dass von einem ernsthaften Klangvergleich keine Rede sein konnte, dazu hätte man die Pegel wirklich pingelig angleichen müssen. Dennoch: Wir sind am Ende Instinktwesen und müssen nicht immer alles messen. Der Klangvorteil bei 48 dB schien mir überzeugend genug, dass ich für meinen privaten Höralltag auf einen sorgfältig pegelangepassten Vergleich verzichten würde. Wozu auch?
Fazit: Wie die Fosi V3 Monos erwies sich auch Fosis Phono-Pre X5 als echte Granate. Klanglich ist sie absolut konkurrenzfähig, aber nach wie vor wäre für mich das Vertriebsmodell ein Dealbreaker. Für Audiophile im Prekariat könnte die X5 jedoch die Erhörung ihrer Gebete darstellen.
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