Die Fosi V3 (links) neben dem SMSL PA 200
Der WiiM Ultra Streamer (rechts) diente als Preamp und Quelle.
Krieg der Zwerge: Fosi V3 vs. SMSL PA 200
Letztens war wieder Vincent Gova O’Brien zu Besuch, der berühmte Audio-Guru aus der Erftmetropole Bergheim. Er hatte da was Interessantes im Gepäck – zwei minimalistische Verstärker mit audiophilem Anspruch aus dem Reich der Mitte: ein Pärchen Fosi V3 Monos und den SMSL PA 200. Wäre doch interessant, die mal gegeneinander antreten zu lassen…
Regelmäßige Leser des Blogs erinnern sich vielleicht an den SMSL GaN-FET Amp, dem wir vor einiger Zeit auf den Zahn fühlten. Lange davor, auch noch vor deren Test in der Audio/Stereoplay 03/25, hatte sich Vincent die Fosi V3 Monos geordert und war beeindruckt genug, um die Amps mit einem höherwertigen Op-Amp zu tunen, dem V7 von Burson. Als Standard verbaut ist der an sich schon gute und im Audiobereich gern eingesetzte NE5532 von Texas Instruments.
Der Tausch wurde hier in Neuss vorgenommen und verdoppelte den Preis beinahe, aber ich kann nur sagen: gut investiertes Geld. Der Klang profitierte merklich, fanden wir beide. Das ist ein echter Pluspunkt der V3 Monos: Man kann relativ einfach und mit geringem Aufwand1 den Klang verbessern. Besser heißt hier übrigens mehr Durchzug, höhere Auflösung, feiner zeichnend, generell glaubhafter.
Lange Zeit markierten die Fosis für uns die Messlatte für das, was klanglich für Einsteiger möglich war – schon in der Basisversion, aber erst recht getunt. Und dann kam der SMSL PA 200 und setzte den neuen Maßstab. Aber tat er das wirklich? Konnten wir sicher sein? Nein, konnten wir nicht, ein direkter Vergleich hatte nie stattgefunden. Wurde also Zeit.
Wie beim letzten Mal agierte der WiiM Ultra als Quelle und Preamp, wir wollten lediglich die Endstufe des PA 200 mit den V3 Monos vergleichen. Wir hörten auch wieder über die Lu Kang Spoey 200, angeleint an die Verstärker mit meinem WSS Goldline LS2 Speakerkabel. Außerdem sorgten wir mit Hilfe eines Schallpegelmessgerätes für faire Verhältnisse.
Für den Vergleich packten wir recht frickeligen Stoff auf die Playlist. Erstens mögen wir den beide und zweitens trennt sich hier schnell die Spreu vom Weizen, was Durchzeichnung und Kontrolle betrifft. Wir hörten Gentle Giants The Advent of Panurge, Chick Coreas Chia Music, Shaktis Mind Ecology und Porcupine Trees Chimera’s Wreck.
Als wir die Wichte nebeneinander auf dem Beistelltisch im Wohnzimmer sahen, mussten wir beinahe lachen. Echt jetzt? Das Trio insgesamt war fast halb so groß, wie ein reguläres Gerät. Immerhin!
Wir spielten mit ca. 65-70 dB am Hörplatz. Normalerweise höre ich leiser, aber wir wollten sehen, wie sich die Amps schlagen, wenn es etwas härter zur Sache geht, ob sie klanglich dichtmachen oder mitgehen würden. Hier kann ich schon mal Entwarnung geben: Mangelnde Power war kein Thema. Trotz ihrer geringen Größe sind beide Amps für meine Zwecke völlig ausreichend motorisiert. Wir hätten noch deutlich lauter hören können, ohne sie in Bedrängnis zu bringen.
Den Anfang machten die Fosi V3 Monos: solide in der Hand liegende, niedliche, aber auch recht schmucklose Kistchen im anthrazitfarbenen Alu-Kleid. Aber wie die kleinen Dinger dir das vertrackte The Advent of Panurge um die Ohren hauen, war schon ziemlich beeindruckend. Irgendwie kein Wunder, dass Gentle Giant ihren Nimbus als Geheimtipp nie ablegen konnten, denn viel komplizierter geht’s nicht, noch nicht einmal bei Tool. Doch die Fosis schlugen eine Schneise durch das Klangdickicht und stellten die Musik glaubhaft präsent zwischen die Speaker. Die räumliche Trennung der Stereokanäle sollte sich theoretisch in einer spektakulären Abbildung niederschlagen, aber in dieser Hinsicht waren die V3 zwar gut, jedoch nicht zwingend besser als der PA 200 Stereoamp.
Der Klangcharakter der Fosis mit den Burson V7 war leicht auf der warmen Seite, was an sich nicht störte, aber dem Klang im direkten Vergleich zu streng neutralen Geräten etwas Attack nahm. Punch allerdings hatten sie jede Menge. Wie gesagt klangen sie nicht nur jederzeit kontrolliert, sie langten bei Bedarf auch bei einer Bassdrum richtig hin und knüppelten sie in die Lautsprecher. Diese Qualitäten – kontrolliert, kräftig, leicht warm – behielten sie über das gesamte Programm. Sowohl Chia Music als auch Mind Ecology liefern mehr Impulse als alle Symposien der Welt, subjektiv ließen die Fosis hier nichts anbrennen.
Das Bild änderte sich jedoch, als wir den SMSL anhängten. Plötzlich öffnete sich der Klang, wurde beweglicher, geschmeidiger und transparenter. Details wie feinste Ausschwinger bei Perkussionsinstrumenten oder Gitarren, Verstärkerbrumm im Studio oder die unterschiedlichen Klangsignaturen diverser Trommeln, wie zum Beispiel bei Mind Ecology, traten zum Teil erst jetzt ins Bewusstsein. Wie ein erneuter Umbau zeigte, waren sie auch vorher schon da gewesen, nur hatte man sie nicht wahrgenommen, weil der Klang der Fosis weniger gut sortiert war.
Ich fand den SMSL mit seiner schwer fassbaren, mühelosen Schnelligkeit ähnlich beeindruckend wie beim ersten Mal und verspürte nach ein paar Minuten mit diesem Amp keine Lust mehr, auf die Fosis zu wechseln. Für mich war die Sache recht klar: Ich empfand den GaN-FET-Amp als ziemlich eindeutigen Sieger im Direktvergleich. Die V3s waren dabei wirklich nicht schlecht und auch sie liefern für ihren bescheidenen Preis (unter 300 € für das unfrisierte Paar) eine beeindruckende Vorstellung. Aber für nur wenig mehr (knapp über 400 €) kriegt man einen Amp, der mich musikalisch einfach mehr überzeugt.
Könnte es Hörer geben, die an den Fosis mehr Spaß hätten? Wahrscheinlich schon. Im direkten Vergleich klingen sie wärmer und vollmundiger, während der SMSL klar und transparent wirkt. Aber nicht kühl, sondern einfach nur neutral, eben nicht warm. Aufgrund ihrer Tonalität passen die Fosis vielleicht besser zu einigen hell abgestimmten Speakern, aber die höhere Wiedergabetreue im Sinne von High Fidelity bietet der SMSL. Für mich noch immer das Maß der Dinge unter 500 €, eigentlich sogar ein gutes Stück darüber.
Fazit: Sowohl die Fosi V3 Monos als auch der SMSL PA 200 bieten eine Klangqualität im Einsteigerbereich, von der ich als Student vor 40 Jahren nur träumen konnte. Mit dem Klang an sich kann man absolut zufrieden leben, dennoch fordern beide Geräte vom User eine gewisse Bereitschaft zu Kompromissen: Die Fosis sind sehr schmucklos, wohlwollend könnte man von funktionalem Design reden. Der SMSL bietet lediglich einen Eingang, und die Anfassqualität des Multifunktionsreglers auf der Front ist eher okay als wirklich gut. Ein Dealbreaker bei beiden Geräten wäre für mich das kurzlebige, wenig nachhaltige Vertriebsmodell. Im Zweifel wird hier eher weggeworfen als repariert – wer sollte die Reparatur auch durchführen, wenn es keinen Service vor Ort gibt?
P.S.: unmittelbar nach dem Vergleich schloss ich meinen Copland CSA 70 wieder an und ließ The Advent of Panurge und Chia Music noch einmal laufen. Ich war fast erleichtert, dass ich den Copland als besser fand: feiner, weniger körnig, etwas samtiger, aber himmelweit waren die Unterschiede nicht.
1: Ganz so simpel wie auf der Homepage von Fosi beschrieben ist es dann doch nicht – die Bursons sind grenzwertig groß und passen so eben in das schnuckelige Gehäuse der V3s. Außerdem ist es leider nicht schwer, die filigranen Beinchen der Op-Amps zu verbiegen, ich empfehle den Tausch im Idealfall vor dem ersten Glas.
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