Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens landen wir alle irgendwann beim Plattenspielervergleich.
Am 23.10. gab es dazu mal wieder Gelegenheit beim Vinyl-Event für Einsteiger der Ortsgruppe Düsseldorf von HiFi Klubben. Für mich war das in erster Linie interessant, weil sich die Chance bot, Denons Prestige-Dreher DP-3000 live zu hören und abzuchecken, ob und wie viel er mehr kann als die preisgünstigere Konkurrenz.
Nachdem die Klubben-Mitarbeiter Marco und Nick ein paar technische Grundlagen zur Schallplattenwiedergabe erklärt hatten, es war ja eine Veranstaltung für Einsteiger, durften wir hören. Dabei schickten die Plattenspieler ihre Signale an eine ziemlich amtliche Kette aus dem NAD-Pre M66, der Endstufe M23 und DALIs Epicon 8. Der Gesamtpreis dieses Set-Ups liegt deutlich über 20k€. Nicht gerade Einsteigermaterial, aber um die Unterschiede zwischen den Drehern zu demonstrieren, sollte kein anderes Gerät der limitierende Faktor sein. Als Testplatten dienten Daft Punks Random Access Memory und einige Titel aus dem Album Reference Soundcheck Vol.1, produziert vom deutschen Kabelhersteller Inakustik.
Gleich vorweg: wenn jemand hofft, dass sich irgendwo im Audio-Universum ein Gerät für 500€ versteckt, das mehrfach teurere vernascht, dann bin ich ihm noch nicht begegnet, auch hier nicht. Im Gegenteil. Jeder Euro, den du mehr investierst, schlägt sich irgendwo in einem besseren Klang nieder. Die Frage ist nur, wie weit du gehen kannst oder möchtest, um das Ergebnis zu optimieren.
Über Argons Einstiegsdreher TT2 mit einem preiswerten Audio Technica Tonabnehmer -sieht aus wie ein AT3600L für ca. 30 Ocken- klang Kari Bremnes Gate Ved Gate nicht wirklich schlecht, aber die einfache Rundnadel des Systems hatte unüberhörbare Probleme mit Details und dem Hochton, der hier und da ein wenig giftig rüberkam. Allerdings darf man davon ausgehen, dass Käufer eines 270€-Gerätes kein High End erwarten und auch in erster Linie Musik hören wollen statt Referenzplatten, was wahrlich nicht immer dasselbe ist.
Da klang der TT3 Plus mit dem Ortofon 2M Red für 530€ deutlich besser sortiert. Ein paar Probleme mit dem Hochton blieben, aber es war einfacher, der Musik zu folgen, weil man Instrumente und Stimme klarer präsentiert bekam. Der Klang hatte mehr Struktur.
Noch eine Schippe drauf legte der TT4 Special mit dem 2M Bronze für 999€. Ehrlich gesagt fing es hier für mich an, interessant zu werden. Das 2M Bronze mit seinem FineLine-Schliff kostet allein um die 360€ und ist schon eine echte Ansage. Man nähert sich dem Limit dessen, was man mit MM-Systemen erreicht und das merkte man. Die Bühne öffnete sich, der Hochton glänzte ohne zu blenden, alles wirkte luftiger, feiner, echter.
Aber ich war gekommen um den Denons DP-3000 zu hören und die Gelegenheit gab’s zum Schluss. Montiert war ein Ortofon Cadenza Red MC-System. Okay, wir reden hier von einem Gesamtpaket von knapp 4000€ und haben uns meilenweit vom Vinyleinstieg entfernt, aber der Klang war dann auch in jeder Hinsicht noch einmal überzeugender. Am eklatantesten war der Unterschied im Timing, hier wirkte der Direktantrieb des Denon merklich präziser, spielte mehr auf den Punkt. Die Musik hatte einen Drive, der den drei Riementrieblern von Argon ein wenig fehlte. Auch der Klang an sich wirkte entgratet und besser definiert. Mein Eindruck war, dass der Denon für den Drive sorgte, das Cadenza Red für die Smoothness.
Zusammengefasst: mit Argons TT2 als erstem Plattenspieler kann man als absoluter Einsteiger vermutlich gut leben, aber der TT3 Plus bietet so viel mehr, dass ich die gut 200€ extra sofort investieren würde, wenn es irgendwie geht. Mit dem TT4 Special kommt man schon ziemlich weit und kann damit sehr lange wirklich zufrieden hören – aber: der Denon DP-3000 mag zwar ohne System bereits doppelt so teuer sein wie der TT4, macht allerdings eindeutig am meisten Spaß und, ja, lohnt sich für alle, die es mit Vinyl ernst meinen.
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